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Die Rückkehr des verlorenen Malers aus Düren

20.12.2018 12:30

Die Rückkehr des verlorenen Malers aus Düren
Bürgerstiftung präsentiert ab Ende Januar die Kunstwerke von Franz Kaiser. Die waren bisher nur in Hamburg zu sehen. (Dürener Zeitung, 20.12.2018)
Düren. Dr. Gisela Hagenau musste den Namen Franz Kaiser Anfang Mai auch erst mal im Internet nachschlagen. Sie ist Vorsitzende der Dürener Bürgerstiftung, die sich um Bildung und Kultur kümmert und Kunst im Schloss Burgau fördert. „Künstler, die in der Region gelebt haben, leben oder der Region verbunden sind, werden zum Thema ihrer Kunstausstellungen auf Schloss Burgau“, steht deshalb in einem Flyer. Im Mai ist Gisela Hagenau über einen unserer Artikel gestolpert. In dem ging es um eben jenen Franz Kaiser, dem in Hamburg eine große Ausstellung gewidmet wurde. Kaiser, 1888 als Sohn eines Eisenbahnschaffhers in Düren zur Welt gekommen, lebte von 1926 bis zu seinem Tod 1971 in Hamburg – und geriet in Vergessenheit. Und weil es selbst in seiner Heimatstadt kein Interesse an dieser Ausstellung gab, ist es nun an der Bürgerstiftung, diesen Schatz zu bergen: Im Januar wird Kaisers Werk auf Schloss Burgau präsentiert. Dabei ist schon die Biografie dieses Künstlers überaus faszinierend. Nach einer kaufmännischen Lehre zog der Dürener nach Berlin, besuchte die Königliche Kunst- und Gewerbeschule und arbeitete als Architekt. Aus dem wohlsituierten Kleinbürger wurde nach dem 1. Weltkrieg ein kommunistischer Redner, der zur Revolution aufrief, sich den Dadaisten anschloss und gegen den bürgerlichen Kunstbetrieb revoltierte.
 
Der Dürener kandidierte gar zur Reichspräsidentenwahl 1925. Der nächste Bruch in seiner Biografie kam mit der Machtergreifung der Nazis. Seine Bilder galten als „entartet“, er wurde von SA und Gestapo gefoltert, zwangsrekrutiert und landete schließlich in einer Nervenheilanstalt. Nach dem Krieg schlug er sich als Hausmeister durch, malte weiter im Stile des Expressionismus und fand mit Helmut und Loki Schmidt zwei prominente Förderer.
 
Karl Hackstein, der zusammen mit Professor Georg Bussmann für die Bürgerstiftung die Ausstellungen betreut und selbst als Künstler tätig ist, hat in der Vorbereitung der Ausstellung den Nachlass Kaisers in Hamburg besichtigen können. „Ich war zum einen erstaunt, wie groß die Gemälde sind. Es sind viele langgestreckte Formate dabei, in erdigen, tonigen Farben. Ich war aber auch von den Bildinhalten fasziniert.“ Die beschreibt der Kunsthistoriker Georg Bussmann so: „Im Mittelpunkt seiner gegenständlichen Arbeiten steht immer der Mensch mit all seinen Problemen und Sorgen in den Spannungsfeldern Religion, Gesellschaft und Politit, Gesundheit und Umwelt.“
 
Hackstein sieht bei den Werken von Kaiser keinen Unterschied zu den großen Expressionisten seiner Zeit. „Sein Problem war vielleicht, dass er zwar durch und durch Künstler war, sich aber auch mit Kunsthandwerk beschäftigt hat. Das hat aber nicht den Stellenwert in der Kunst. Das hat man nur Picasso verziehen.“ Hinzu kommt, sagt Gisela Hagenau, dass man die Werke von Kaiser nicht in eine bestimmte Zeit oder Kategorie einordnen könne. Hackstein: „Er ist in der expressiven Phase hängen geblieben. Der Kunstmarkt war ihm egal. Er ist einfach seinem Stil treu geblieben.“
 
Genau das wird man in der kommenden Ausstellung nachvollziehen können. So werden neben den Bildern von Kaiser auch seine Grafiken und Skulpturen präsentiert. Und wenn es nach Gisela Hagenau geht, soll das erst der Anfang sein. Hagenau hat aber noch einen anderen Wunsch. „Es stünde der Stadt gut zu Gesicht, ein Werk des Dürener Malers Franz Kaiser zu erwerben. Das können wir als Bürgerstiftung aber nicht leisten.“ (bugi)
 

Autor: Olschewski